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Haus Marktstr. 7

 Die Eltern des heutigen Besitzers Hans Burgwinkel hatten das Haus 1956 von den Erben der in der Nazizeit verstorbenen bzw. ermordeten Familie Salomon gekauft. Der ursprüngliche Besitzer und weithin bis in die Nazizeit angesehene und einflussreiche Metzger Albert Salomon verstarb am 27.02.1942 in Zündorf eines natürlichen Todes. Allerdings wurden die dort seit dem 4.05.1924 wohnende Karoline Salomon 18.09.1872 in Zündorf, und Ruth Tobias, geborene Seligmann,  geb. 20.06.1909 in W-Barmen am 15.06.1942 über Köln-Ehrenfeld nach „dem Osten transportiert“. wo sie dann in Minsk  bzw. in Lodz ermordet wurden  Eine Augenzeugin des Abtransportes lebt heute noch.

 

Synagoge

Die ehemalige Synagoge in Zündorf befindet auf der Hauptstr. Nr. 159 im der Rückfront zum Grundstück Marktstr. 7. Sie wurde 1938 unter Nazizeit-bedingten  Begleitumständen aufgegeben und mit Nazizeit-typischen Genehmigungen als Wohnhaus umgebaut. Selbst nach dem zweitem Weltkrieg wurde 1962 in einem Nachbarschaftszeit im Rahmen der Grundstücksübernahme Marktstr. 7 – einem ebenfalls ehemaligen jüdischen Anwesen - nochmals die Nazizeit lebendig…

 

die ehemalige Synagoge Hauptstr. vom Garten des Hauses Marktstr. 7. Deutlich erkennbar die ehemaligen großen bzw. runden Fenster der Synagoge. Nach dem "Kauf" von der jüdischen Gemeinde wurden - wie um 1960 gerichtlich bestätigt wurde - illegal Wohnraumfenster zum Garten des jüdischen Kaufmanns Salomons gebaut. Sein Widerspruch wurde abgelehnt, u.a. mit einer Stellungnahme der Stadt Porz, die schrieb, dass die Meinung von Juden nicht zähle, da sie "außerhalb der Volksgemeinschaft" stünden......

Lt Gerichtsbeschluss wurden die Fenster um 1960 vergittert und müssen bei einem Verkauf "verschlossen" gestaltet werden...

Juden in und um Köln

In Folge der mittelalterlichen Pogrome und der endgültigen Ausweisung 1424 entschlossen sich wohl auch viele der Kölner Juden zur Auswanderung in osteuropäische Länder

 Nur wenige der Juden blieben in der Nähe Kölns und wurden vorwiegend im Rechtsrheinischen (Deutz, Mühlheim, Zündorf) sesshaft. Später entstanden so neue kleine Gemeinden, die mit den Jahren heranwuchsen. (Quelle Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCdische_Geschichte_in_K%C3%B6ln)

 Dort fühlten Juden sich unter dem Schutz des Erzbischofs Dietrich von Moers (1414-1463) in Sicherheit

 http://www.cologneweb.com/altstadt/altstadt26.htm

 Jahre später wanderten wieder einige jüdische Familien aus dem Rechtsrheinischen - Mülheim, Deutz und Zündorf waren kurkölnisches, d.h. erzbischöfliches Gebiet - nach Köln ein und bauten das Viertel wieder auf.

 Juden und Synagogen in Zündorf

Die erste dokumentierte Erwähnung findet sich nach dem Zündorfer Historiker Karl H. Boley (Zündorfer Judengemeinde) allerdings erst 1708. Der Name Salomon taucht ab 1714 in Zündorf auf. Boley beschreibt interessante Details über das jüdische Leben in Zündorf.

Die Zündorfer Juden betätigten sich auch im Immobiliengeschäft, so ersteigerte ein Andreas Salomon
(der auch oft als Geldgeber erwähnt wird) 1820 und 1821 10 Parzellen,die er später dem Handelsmann
S. Cohen überliess,ausserdem ersteigerte er Ländereien in Heumar, Herrenstrunden und Langel.

Mir selbst sind noch die baulichen Reste der Metzgerei, der Räucherkammer, des Stalles im Hof, des Schlachthauses und des Brunnens bekannt.

Als Synagoge in Niederzündorf wurde erst nach Boley eine Stube und später ein Betsaal genutzt, bis am 18.08.1882 die neue Synagoge auf der Hauptstr. eingeweiht werden konnte.

 Die Zündorfer Handelsleute Lazarus Meyer und Simon Salomon verkauften bzw. schenkten das benötigte Gründstück an der Hauptstraße zu Niederzündorf. - Nach längerer Planungs- und Bauzeit wurde die Synagoge bei schönem Wetter am 18. Aug. 1882 eingeweiht

 In der Nazizeit nahm die Anzahl der Juden in Zündorf infolge Untertauchen und Auswanderung stark ab

In der ‘Reichskristallnacht warfen aufgehetzte Menschen die Schaufenster des Zündorfer Metzgers Albert Salomon in Scherben. Er war vollkommen in die Dorfgemeinde aufgenommen und war hier auch im Kegelclub (Boley)

 

Aufgrund all dieser Umstände konnte die Synagoge nicht mehr gehalten werden und die Zündorfer Judengemeinde bot sie - wie einige Quellen behaupten – „freiwillig“ zum Kauf an. – was ich persönlich stark bezweifle.

In einem bemerkenswerten Projekt des MKG Wahn (Maximilian-Kolbe-Gymnasium Köln-Porz-Wahn) über den jüdischen Friedhof in Zündorf werden auch weitere Aspekte des jüdischen Lebens in Porz, insbesondere in Zündorf beleuchtet und dokumentiert. Über den Verkauf der Synagoge heißt es :

 Die Lebensverhältnisse der jüdischen Bevölkerung in Porz verschlechterten sich mit dem Inkrafttreten des Gesetzes über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Kultusvereinigungen am 28.3.1938, dass diesen und ihren Verbänden die Stellung von Körperschaften des öffentlichen Rechts entzog. In Porz mussten die Lebensverhältnisse allerdings so schlecht gewesen sein, dass sogar die Synagoge bereits am 9.2.1938 vor dem Inkrafttreten verkauft werden musste.

http://www.mkg-koeln.de/sources/projekte/friedhof/start.htm

 Am 29.11.1937 schreibt die Synagogengemeinde an Herrn Peter Scheidt, dass sie „unter Bezug auf die gestrige Unterredung“ bereit ist, die Synagoge in Zündorf für 800 Mark an ihn zu verkaufen u.a. unter den Bedingungen, dass die zum Garten des Herrn Salomon gelegenen Fenster zugemauert werden und vor allem dass auch im Falle von Weiterveräußerungen dort niemals Viehställe angelegt werden dürfen.

 Allerdings soll sich Salomon lange massiv gegen den Verkauf bzw. die Umwandlung in ein Wohnhaus gewehrt haben…Zunächst persönlich, später nur noch über seine Schwester (?).

Er hatte sich seit langen massiv mit den Behörden angelegt – vielleicht dachte er, ihm könne nichts passieren, da er viel Grundbesitz – wahrscheinlich auch außerhalb von Köln – und Einfluss hatte (wird noch ergänzt… Quellen und Unterlagen finde ich zur Zeit nicht mehr..)

  

 

Ab

von

Bis

Auszuggrund

Nachname

Vornahme

Geburtsdatum

Quelle

4.5.24

K-Ehrenfeld

15.06.42

Transport nach dem Osten

Salomon

Karoline

62

Datenblatt Stadt

 

 

15.06.42

Transport nach dem Osten

Tobias

 

70

 

 

 

27.02.42

Verstorben ??

Salomon

Albert

72

 

+ zwei weitere Juden ???

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

7.05. 42

Bis zu 9 Pers

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  Im zweiten Weltkrieg und nach dem zweiten Weltkrieg scheinen Nachbarn das Grundstück Marktstr. 7 – mit oder ohne Einwilligung der jüdischen Erben – für ihre eigenen Zwecke genutzt zu haben. So wurde z.B. der Garten von drei Parteien „teilprivatisiert“, sodaß erst lange Zeit nach dem Kauf in Gerichts- und Vermessungsverfahren die wahren / ursprünglichen Eigentumsverhältnisse wiederhergestellt wurden. Ob die beteiligten Eigentümer die Wahrheit kannten oder gutgläubig auf Eigentumsrechte – woher auch immer – pochten, kann ich nicht mehr nachvollziehen, da meine Eltern die entsprechenden Unterlagen vernichtet haben. Sie wollten nicht mehr an die unglückseligen Streitereien erinnert werden und sie sollten auch nicht mehr hochkochen, da die „Urheber“ inzwischen verstorben waren und mit ihren – vollkommen unbeteiligten - Nachkommen in der Nachbarschaft wieder Frieden herrschte.

In Fortsetzung alter Traditionen konnte der nebenanliegende landwirtschaftliche Kleinbetrieb noch bis 1956 die alten Ställe nutzen. Es war in Zündorf üblich gewesen, dass Juden Vieh zum Mästen an Zündorfer vergaben und später schlachteten.

 Der im Hof gelegene Brunnen sicherte – nach Angaben von Nachbarn - während des zweiten Weltkriegs neben einem zweiten Brunnen am oder im alten Brauhaus an der Westfeldsgasse die Trinkwasserversorgung in Alt-Zündorf, nachdem das öffentliche Netz zusammengebrochen war.

 

Bei Bauarbeiten / privaten, mit der Stadt Köln abgestimmten Ausgrabungen wurden in den letzten Jahren entdeckt:

  • "Wandgemälde" mit holländischen Mustern in der Parterre-Wohnung
  • ein Brunnen unter den Fundamenten des Hauses, hofseitig, allerdings mit einem vermutlichen Zugang von innen. Der Brunnen wurde bis in eine Tiefe von 9,50 m freigelegt, führt zeitweise Wasser
  • ein weiterer Brunnen (zugeschüttet) befindet im Hof, aus diesem erfolgte m Zweiten Weltkrieg eine Versorgung von Zündorf
  • ein sehr altes ? Gewölbe mit einer Rückwand, die wahrscheinlich im 30-jährigen Krieg zusammengestückelt wurde, bestehend aus einer Tuffstein-Grundmauer (eine weitere befindet sich in einem "Seitengewölbe" - also scheint hier noch vor dem 30-jährigen Krieg 1618 - 1648 ein größeres Bauwerk gestanden zu haben. Im Gewölbe befindet sich eine Brandschicht und in der nordostlichen Ecke Tonreste (Töpferei?)
  • Mauerreste unter dem Kellerboden im südwestlichen Raum
  • weitere Fundamente im Hofbereich

es wurden viele Scherben und div gefunden:

  • eine Siegburger Vase
  • mehrere Klickerflaschen
  • Verschluß der Brauerei Immendorf
  • Reste von Bartmannskrügen
  • Geschirrstücke aus vielen Perioden
  • Krugteile aus vielen Perioden.

 

Im Brunnen liegen noch viele Scherben, die aber fachmännisch geborgen werden sollten